Unsere Internationale Klasse

Seit Anfang Mai 2016 gibt es auch an unserer Schule eine Internationale Klasse, in der momentan 17 Schüler/-innen im Alter von 12 - 17 Jahren unterrichtet werden. Sie stammen aus sechs Ländern von drei verschiedenen Kontinenten. Die meisten von ihnen kommen aus Krisenregionen dieser Welt, wie etwa aus Syrien oder dem Irak. Einige sind sogar ganz allein ohne Familienangehörige hier. Andere hingegen sind mit ihren Familien aus dem (EU-) Ausland zugewandert (z.B. aus Polen).

Zwar sind die Gründe und Wege, die die Jugendlichen zu uns geführt haben, sehr unterschiedlich, doch für alle ist das Ziel dieser Klasse das gleiche: der komplette Übergang in eine ihrem Alter und Leistungsstand entsprechende Regelklasse und Schulform. Deswegen besteht die Hauptaufgabe der Schule darin, die Schüler/-innen in Deutsch als Zielsprache (DaZ) zu unterrichten, sodass sie ihren Wortschatz erweitern und sprachliche Strukturen verinnerlichen, um sich mündlich und schriftlich in der deutschen Sprache ausdrücken zu können. Für einige Schüler/-innen bedeutet der Spracherwerb auch die Alphabetisierung in lateinischer Schrift, da sie bislang nur Arabisch gelesen und geschrieben haben. Bis ein/e Schüler/-in der Internationalen Klasse vollständig in eine Regelklasse - entweder hier oder an einer anderen weiterführenden Schule - eingegliedert werden kann, muss er/ sie das Sprachniveau B2 erreicht haben, das durch den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen definiert ist (siehe hierzu http://www.europaeischer-referenzrahmen.de/).  Dieser Prozess verläuft bei jeder/m Schüler/-in sehr individuell und unterschiedlich schnell abhängig von Alter, schulischen und sprachlichen Vorerfahrungen und der individuellen Auffassungsgabe. Die Verweildauer in einer Internationalen Klasse beträgt nach Vorgaben des Landes NRW maximal 2 Jahre.

Ab dem Schuljahr 2016/17 nehmen die Schüler/-innen der Internationalen Klasse stundenweise am Unterricht der Regelklassen in ausgewählten Fächern (auf Grund des hohen praktischen Anteils vorzugsweise in Musik, Kunst und Sport) teil. Auf diese Weise werden sie in einer authentischen Lernumgebung mit Muttersprachlern und der Zielsprache Deutsch konfrontiert, sodass sie, während es vordergründig beispielsweise um das Musizieren oder Zeichnen geht, „nebenbei“ ihre Deutschkenntnisse erweitern. Die Schule kommt damit aber auch einer weiteren wichtigen Aufgabe bei der Beschulung von Seiteneinsteiger/-innen nichtdeutscher Herkunftssprache nach, nämlich der Integration in das Schulleben und somit auch in die Gesellschaft. So kommen sich Regel- und Internationale Schüler/-innen im gemeinsamen Unterricht näher und es können eventuell bestehende Ängste und Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut und neue Bekanntschaften geknüpft werden. Die Schüler/-innen der Internationalen Klasse erleben außerdem, welche Lernkultur und welche Regeln des Zusammenlernens an unserer Schule gelebt werden. Um den Schüler/-innen ihre Anfangszeit hier am GaW und in Bielefeld allgemein zu vereinfachen, stehen uns von der Stadt Bielefeld zugeteilte Schulsozialarbeiterstunden zur Verfügung. Deshalb sind wir sehr froh, dass uns Frau Römbke von den Falken einige Stunden pro Woche tatkräftig mit all ihrer Erfahrung zusätzlich im Unterricht, aber auch im außerunterrichtlichen Bereich unterstützt.

Die Einrichtung einer Internationalen Klasse an unserer Schule war für alle Beteiligten eine Herausforderung, auf die sich niemand so richtig vorbereiten konnte. Umso erfreulicher war es zu sehen, mit wie viel Engagement und Unvoreingenommenheit das Kollegium und die Eltern- und Schülerschaft diese Aufgabe angenommen und sie von Beginn als gesamtschulisches Projekt angesehen haben. Nur durch die zusätzliche ehrenamtliche Unterstützung zahlreicher Eltern ist zieldifferentes Arbeiten in Kleingruppen und die individuelle Förderung möglich. Auch viele Schüler/-innen haben ihre Hilfe angeboten. Einige dolmetschen, wenn es um bürokratische Angelegenheiten geht, andere organisieren AGs oder sorgen als Paten dafür, dass sich die Schüler hier einleben und wohlfühlen können.

Trotz all ihrer Besonderheiten ist die Internationale Klasse in der Wahrnehmung der Schulgemeinschaft aber keine isolierte Gruppe. Vielmehr tragen die Internationalen Schüler/-innen aktiv zum Schulleben bei. So hat die Internationale Klasse beim Sommerfest 2016 unter großem Applaus kurdische Tänze aufgeführt und einige syrische und irakische Schüler/-innen haben im letzten Jahr in einem Projekt interessierten Mitschüler/-innen Arabischunterricht gegeben. Dass unsere Schule seit ein paar Monaten internationaler geworden ist, heißt also auch, dass wir etwas von den neuen Schüler/-innen lernen können.

Ansprechpartner/-innen sowie Klassenleitung: Katharina Richter und Tatiana Römbke